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9) Das Zeichen persönlicher Rache und des außenpolitischer Erfolges (18 v. Chr.) I

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Auf der Rückseite des Denars sind auf der linken Seite eines Gebäudes, welches zentral abgebildet ist, die Buchstaben S P und auf der rechten Seite dieses Gebäudes die Buchstaben Q R zu erkennen. Die Legende verläuft vertikal zentriert und der Schriftzug ist durch das Gebäude unterbrochen. Die Vorder- oder Kopfseite enthält die Schriftzüge CAESARI gegen den Uhrzeigersinn kreisförmig am linken Rand der Münze laufend und AUGUSTO, ebenfalls linksläufig und kreisförmig verlaufend, am rechten Rand des Stückes.
Die Legende ist vom Avers zum Obvers zu lesen und lautet: „S(enatus) P(opulus) Q(ue) R(omanus) CAESARI AUGUSTO“ (= „Der Senat und das römische Volk dem erhabenen Kaiser“).
Der lorbeerkranzgeschmückte Kopf des Augustus blickt nach links, was eine Besonderheit darstellt, da nach rechts blickende Köpfe deutlich öfter dargestellt wurden. Der Avers zeigt einen auf drei großen Stufen gelegenen Rundtempel mit einem auffallenden Kuppeldach, der auf vier Säulen gestützt ist, in dessen Innern eine Quadriga steht. An der Vorderseite der Quadriga sind vier galoppierende Pferde in Miniatur dargestellt. In der Quadriga befindet sich eine Aquila, die silberne Adlerstandarte des römischen Heeres und Wahrzeichen der Legionen. Aus weiteren Münzdarstellungen wird deutlich, dass es sich dabei um einen Tempel für Mars Ultor handelt (siehe Münze Nr. 10). Marion Giebel gibt eine Erklärung bezüglich der Darstellung des Tempels: „Am 12. Mai 20 v. Chr. wurden Feldzeichen und Gefangene zurückgegeben. Da der Tempel des Mars Ultor noch nicht fertiggestellt war, wurde ein kleiner Rundbau errichtet, der die Feldzeichen vorläufig aufnahm. Er ist auf Münzen abgebildet, die zur Feier des Ereignisses geprägt wurden.“ Dieser provisorische Tempel wurde wohl 19 oder 18 v. Chr. zunächst auf dem Kapitol errichtet, bis die Feldzeichen 2 v. Chr. in den neuen Mars Ultor-Tempel des Augustus-Forums überführt wurden (zu diesem Tempel mehr bei Münze Nr. 10).
Sutherland datiert die Münze auf das Jahr 18 v. Chr. und weist sie der spanischen Münzprägung zu, ohne jedoch genauere Angaben über den Prägeort machen zu können, die über eine vage Vermutung (Colonia Patricia, das heutige Cordoba) hinausgehen.
Augustus begründete eine Veränderung des Bildes des Kriegsgottes Mars (einer der Götter, auf die der Sage nach die Gründung Roms zurückgeht) zu Mars Ultor (Mars dem Rächer). Die persönlichen Rachemotive Octavians gegenüber den Mördern seines Adoptivvaters Caesar flossen also direkt in eine kultische Auslegung ein. Zum einen war diese Interpretation des Mars Ultor ein Schritt zur Legitimation der Kampfhandlungen von Römern gegen Römer, zum anderen fand dadurch eine gewisse Sakralisierung des Handelns Octavians gegen die Caesarmörder statt. Durch seine Verbundenheit mit Mars signalisierte Octavian gleichsam die Verbundenheit zum gesamten römischen Volk. Sein Rachefeldzug konnte also auf den unkritischen zeitgenössischen Betrachter wie ein Unternehmen in göttlichem Auftrag gewirkt haben, zumal der ermordete Caesar beim römischen Volk viel auctoritas (Ansehen, Charisma, Ausstrahlung) genoss und 40 v. Chr. auch förmlich konsekriert, also unter die Staatsgötter erhoben worden war.
Die Quadriga, beladen mit der Aquila, ist ein Zeichen des Triumphes, also des glorreichen Sieges. Allerdings ist die Darstellung der Aquila weit mehr als bloß ein Siegeszeichen, denn Augustus gelang es, zahlreiche Feldzeichen der Römer zurückzuholen: 25 v. Chr. durch die Siege im Cantabrischen Krieg, im Jahre 23 v. Chr. die in den Bürgerkriegen 48-44 v. Chr. an die Dalmatier verlorenen Legionsadler und, ganz besonders hervorzuheben, am 12. Mai des Jahres 20 v. Chr. die auf diplomatischem Wege erlangten Feldzeichen, die den Römern bei der Schmach von Carrhae unter dem Kommando des Crassus gegen die Parther im Jahre 53 v. Chr. und der Niederlagen des Antonius in den Jahren 40 und 36 v. Chr., ebenfalls gegen die Parther, abhanden gekommen waren. Die römischen Feldzeichen waren stark ideologisch behaftet und mit einem ideellen Wert versehen, so galt es als große Schande, die Feldzeichen an den Feind zu verlieren und dadurch Schwäche zu zeigen. Augustus konnte sich so besonders profilieren und seinerseits auctoritas gewinnen, da er seine virtus (Tugendhaftigkeit, Summe männlicher Tugenden, Mut) in der Verfolgung seiner Rivalen, erfolgreichen Schlachten und gelungener Diplomatie bewiesen hatte. Es sind zahlreiche andere Münzen mit ähnlichen Motiven geprägt worden (vgl. Münze Nr. 8), auch auf dem Brustpanzer des Augustus von Primaporta ist die Rückgabe der Feldzeichen von den Parthern an die Römer dargestellt. Die Formen der Ikonographie weisen also durchaus propagandistische Züge auf, um das Wirken des Augustus noch eindringlicher und greifbarer (schließlich hielt man die Münzen bei jedem Bezahlen in den Händen) für das römische Volk zu machen. Setzen wir nun die Aussage der Legende („Der Senat und das römische Volk dem erhabenen Kaiser“) mit den bereits gewonnenen Erkenntnissen in Verbindung, kann man mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass der Senat zu Ehren der angesprochenen Taten des Augustus im Jahre 18 v. Chr., 2 Jahre nachdem die Feldzeichen und Gefangenen der Parther zurückgeholt wurden, angeordnet hat, diese Denare in Spanien prägen zu lassen.

Inv.-Nr. 2442 (3,73g; Stempelstellung 6)
RIC I2, Nr. 120
Philipp Dorok

Literatur:

  • AMC = Sutherland, C. H. V. und Kraay, C. M.: Catalogue of Coins of the Roman Empire in the Ashmolean Museum, Part I, Augustus (c. 31 B.C. – A.D. 14), Oxford 1975, Plate 2, Nr. 87.

  • BMC = Mattingly, Harold (Hg.): A Catalogue of the Roman Coins in the British Museum. Coins of the Roman empire in the British Museum, Vol. 1, Augustus to Vitellius, London 1923, S. 67, Nr. 386.

  • CBN = Giard, Jean-Baptiste: Catalogue des monnaies de l’empire romain de la Bibliothèque Nationale, Band I, Auguste, Paris 1976, S. 180, Nr. 1215.

  • RIC = Sutherland, C. H. V. und Carson, R. A. G.: The Roman Imperial Coinage, Vol. I, Augustus, Spain `Uncertain mint 2´, London 1984, S. 49, Nr. 120.

  • Fuchs, Günter: Architekturdarstellungen auf römischen Münzen der Republik und der frühen Kaiserzeit, Berlin 1969, S. 35-44, sowie die Tafeln 5 und 6.

  • Giebel, Marion (Hg.): Augustus Res gestae Tatenbericht (Monumentum Ancyranum), Stuttgart 2002, S. 34 und 59-60.

  • Reusser, Christoph: Art.: Mars Ultor (Capitolium), in: Lexicon topographicum urbis Romae, Bd. 3, Rom 1996, S. 230f.